• LHC@home: Theory Simulation erreicht 4 Billionen simulierte Teilchenkollisionen

    Am vergangenen Mittwoch war ein großer Meilenstein des Projektes zu vermelden, das 2011 als Test4Theory begann und nach mehreren Umbenennungen schließlich als Subprojekt Theory Simulation im konsolidierten Projekt LHC@home aufging:

    Theory Simulation erreicht heute 4 Billionen Ereignisse!!
    Das LHC@home-Subprojekt Theory Simulation hat heute den Meilenstein von 4 BILLIONEN simulierten Ereignissen erreicht. Dieses Projekt begann unter seinem früheren Namen "Test4Theory" im Jahr 2011 den Produktivbetrieb und war das erste BOINC-Projekt, das auf Virtuelle Maschinen setzte (basierend auf dem CernVM-System des CERN).

    Wir werden in den kommenden Tagen einige weitere Einzelheiten für euch auf den LHC@home- und CERN-Internetseiten veröffentlichen. Hier ist eine erste Mitteilung:

    http://lhcathome.web.cern.ch/article...rillion-events

    Vielen Dank an all unsere Freiwilligen für das Ermöglichen dieser Leistung!
    14.03.2018, 6:37:23 MEZ


    Im folgenden sei auch die verlinkte Mitteilung übersetzt:

    Test4Theory überschreitet 4 Billionen Ereignisse
    Das LHC@home-Subprojekt Theory Simulation hat heute den Meilenstein von 4 BILLIONEN simulierten Ereignissen erreicht. Dieses Projekt begann unter seinem früheren Namen "Test4Theory" im Jahr 2011 den Produktivbetrieb und war das erste BOINC-Projekt, das auf Virtuelle Maschinen setzte (basierend auf dem CernVM-System des CERN). Das folgende Foto, das am CERN-Rechenzentrum aufgenommen wurde, zeigt einige der zurzeit am Projekt beteiligten Leute:


    Von links nach rechts: Nikolas Giannakis (CERN), Nils Høimyr (CERN), Laurence Field (CERN), Anton Karneyeu (CERN & INR Moskau), Ben Segal (CERN), Peter Skands (Monash University)

    Peter Skands: Test4Theory ist eine tolle Illustration der unvergleichlichen Arten von Projekten, die an einem Ort wie dem CERN spontan passieren können. Im Jahr 2010 war ich gerade als neuer Mitarbeiter in der Theorieabteilung des CERN angekommen. Meine Forschung betrifft "virtuelle Collider" - im Wesentlichen Computersimulationen der Physik in Collidern wie dem Large Hadron Collider. Ein Kollege stellte mich Ben Segal (ebenfalls auf dem Foto) vor, der ein kleines Entwicklungsteam vertrat, das nach wissenschaftlichen Anwendungszwecken zum Test eines neuen Konzeptes suchte: Volunteer Computing auf Basis von Virtuellen Maschinen. Das passte mir bestens. Als kleine Theoretiker-Gruppe hatten wir keinen Zugruff auf die gleiche Art von großen Rechenressourcen, derer sich unsere Experimentatoren-Kollegen rühmen können, sodass Großversuche und Bestätigungen der Art, wie wir sie jetzt über Test4Theory durchführen können, zu jener Zeit unvorstellbar waren. Ich hatte vorher nicht über Volunteer Computing nachgedacht, da die Arten von wissenschaftlicher Software, die wir schreiben, nahezu ausschließlich auf Linux-Systemen entwickelt werden und laufen, wohingegen die meisten Freiwilligen Windows- oder Mac-Systeme hätten. Bens Vorschlag, unsere Simulationen in einer virtuellen Linux-Maschine einzukapseln, welche dann auf jedem System ausgeführt werden könnte, schien äußerst elegant. Wir begannen sofort mit der Zusammenarbeit und es ging wirklich voran, als Anton Karneyeu (auch auf dem Foto) zum Projekt stieß. Alpha-Tests begannen Ende 2010 und ein halbes Jahr später funktionierte das System reibungslos und kontinuierlich mit etwa 100 angeschlossenen Rechnern aus der ganzen Welt. Etwa 5 Milliarden Collider-Ereignisse wurden während dieser Testphase erzeugt. Dann begann der Beta-Test mit dem Schwerpunkt der Skalierbarkeit des Systems und erhöhte die Gesamtzahl der angeschlossenen Rechner bis 2012 auf mehrere Tausend. Seitdem ist das System gereift und weiter gewachsen, was uns erlaubt, mehr Vergleiche zwischen Theorie und Daten anzustellen. Diese Vergleiche sind das Herzstück des Projektes und die Ergebnisse sind offen verfügbar auf der Internetseite mcplots.cern.ch, welche von einem breiten Spektrum von Theoretikern und Experimentatoren als eine Datenbank von Validierungen der Simulationen gegen reale Daten benutzt wird. Obwohl ich nun an der Monash University (in Melbourne, Australien) arbeite, bin ich weiterhin aktiv an Test4Theory beteiligt und mcplots bleibt die Anlaufstelle, um einen umfassenden Überblick zu erhalten, wie gut verschiedene Arten von physikalischen Modellen, verschiedene Stufen von Näherungen und verschiedene Parametereinstellungen mit der Vielzahl von Vergleichsmessungen übereinstimmen, die nicht nur am LHC, sondern auch in vielen älteren Collider-Experimenten durchgeführt wurden. Wir stehen tief in der Schuld sowohl der Freiwilligen, die das ermöglichen, als auch der Softwareentwicklungs- und IT-Teams am CERN, die geholfen haben, die Projektidee in die Realität umzusetzen.

    Ben Segal: Ich habe im Jahr 2004 die Erschaffung des ersten BOINC-Projektes am CERN, LHC@home/Sixtrack, geleitet. Seit 2008 habe ich das BOINC/CernVM-System koordiniert, welches erlaubt, CERN-Physikanwendungen auf LHC@home auszuführen, beginnend mit dem Test4Theory-Projekt im Jahr 2011 und später die ATLAS-, CMS- und LHCb-Experimente. Ich möchte in Erinnerung rufen, dass ein großer Teil der Arbeit zur Schaffung von LHC@home seit 2004 von Freiwilligen geleistet wurde, im Geiste von BOINC selbst - entweder von "Rentnern" wie mir selbst und Eric McIntosh oder von CERN-Personal in "Überstunden" oder von einigen Dutzend Studenten, Fellows und Besuchern, die im Laufe der Jahre zum Projekt beigetragen haben.

    Anton Karneyeu ist im Jahr 2010 zum MCPLOTS-Projekt gestoßen, um Ordnung ins Chaos verschiedener Hochenergiephysik-Simulationsprogrammcodes zu bringen. Er entwickelte Werkzeuge, um diese Programmcodes über Test4Theory auszuführen, und eine Web-Schnittstelle zum Durchsuchen der Ergebnisse.

    Laurence Field: Mit großer Grid-Computing-Erfahrung hat Laurence den CMS-Piloten bei LHC@home gestartet und ist später im Jahr 2016 zum LHC@home-Kernteam gestoßen, um das Tagesgeschäft des Volunteer-Computing-Dienstes zu entwickeln und zu unterstützen. Er entwickelte eine nachhaltige Plattform für VM-Anwendungen und verwaltete die Dienst-Konsolidierung mit BOINC und HTCondor.

    Nils Høimyr: Ich engagiere mich seit 2011 bei LHC@home, als ich gebeten wurde, die Infrastruktur für Test4Theory und LHC@home in meiner Abteilung unterzubringen. Dank der harten Arbeit eines enthusiastischen Teams hat Test4Theory erfolgreich Virtualisierung für Volunteer Computing eingesetzt. LHC@home führte seit 2004 das Beschleunigerphysik-Subprojekt Sixtrack durch und konnte nun auch weitere physikalische Anwendungen, welche in CernVM laufen, aufnehmen. Wir haben auch die LHC-Experimente an Bord geholt und die Herausforderungen und Möglichkeiten, die Volunteer Computing bietet, haben mich dazu gebracht, die Rolle des LHC@home-Projektleiters zu übernehmen. Dank der Bemühungen von Freiwilligen kann die wissenschaftliche Gemeinschaft am CERN nun viel mehr Simulationen durchführen als sie mit unseren lokalen Rechenzentren möglich gewesen wären, welche sich vollständig der Auswertung von LHC-Daten widmen. Es ist ein Vergnügen, mit den Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten, welche die Simulationen bereitstellen, und auch mit anderen Volunteer-Computing-Projekten auf der BOINC-Plattform zusammenzuarbeiten. Wir möchten all den Freiwilligen, die zu LHC@home beitragen, herzlich danken, insbesondere denen, die uns bei der Fehlerbeseitigung und dem Beta-Test von Anwendungen helfen.

    Nikolas Giannakis: Ich bin im Jahr 2017 als Doktorand zum LHC@home-Team gestoßen, meine Entwicklungen beinhalten einen Prototypen eines WebRTC-Clients für BOINC. Die Möglichkeit, für ein Projekt wie LHC@home zu arbeiten, hat mir eine Vorstellung gegeben, worum es bei Computerwissenschaften gehen sollte. Es sollte um Kooperation, Großzügigkeit und das Streben nach Größe gehen. In dem großartigen Laboratorium, welches das CERN ist, wurde dieses Projekt erschaffen, um das Sprichwort, dass die Reise wichtiger ist als das Ziel, mit Bedeutung zu füllen. Das vierbillionste Ereignis, das für Test4Theory berechnet wurde, ist ein Paradebeispiel. Das Berechnen dieser Ereignisse hat Leute aus sehr verschiedenen Teams zusammengebracht und insbesondere Leuten mit einer Leidenschaft für Wissenschaft eine Möglichkeit gegeben, zum größten jemals durchgeführten Experiment beizutragen.

    14. März 2018

    Originaltexte:
    Zitat Zitat von https://lhcathome.cern.ch/lhcathome/
    Theory application reaches 4 TRILLION events today !!
    LHC@home's Theory application today passed the milestone of 4 TRILLION simulated events. This project, under its earlier name "Test4Theory", began production in 2011 and was the first BOINC project to use Virtual Machine technology (based on CERN's CernVM system).

    We will be publishing some more details for you on the LHC@home and CERN websites over the coming days. Here is a first release:

    http://lhcathome.web.cern.ch/article...rillion-events

    Many thanks to all our volunteers for enabling this achievement !
    14 Mar 2018, 5:37:23 UTC
    http://lhcathome.web.cern.ch/article...rillion-events
    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Theory Simulation (früher Test4Theory, LHC+, vLHCathome) - Erstellt von: Major Original-Beitrag anzeigen
Single Sign On provided by vBSSO